Merke dir vor allem:
Du bist wertvoll und geliebt.
Immer.
Und egal, was andere sagen.
Es ist schön, dass es dich gibt!

aus „wertvoll & geliebt – Die Geschichte von Lu Glücksfuchs“

Was ist eigentlich ein Körperbild?

Wie ich meinen Körper wahrnehme, ist deshalb so wichtig, weil es unsere psychische und physische Gesundheit und unser Glück stark beeinflusst.

Das Körperbild besitzt einige Eigenschaften, die man kennen sollte.

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(1) Es ist sehr vielschichtig. Das Körperbild wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst (siehe unten) und hat selbst wiederum großen Einfluss auf viele Bereiche unseres Lebens. Dazu gehören zum Beispiel unsere psychische und physische Gesundheit, unser Selbstwertgefühl, unser Selbstbewusstsein, unsere Beziehung zu Essen und Bewegung, unser Umgang mit anderen Menschen und wie glücklich und zufrieden wir mit unserem Leben sind. Umgekehrt können wir unser Körperbild stärken, wenn wir an uns glauben, uns selbst in jeder Lebenslage freundlich und verständnisvoll behandeln und möglichst vieles tun, was uns glücklich macht und Kraft gibt.

(2) Es ist nach außen hin nicht sichtbar. Das ist ein besonders wichtiger Punkt, denn er bedeutet: Wie wir unseren Körper wahrnehmen, steht uns nicht auf die Stirn geschrieben und ist auch nicht abhängig von unserem tatsächlichen Aussehen. Für Außenstehende ist absolut unsichtbar, wie ich mich selbst wahrnehme und selbst Forschende und Praktizierende (Psycholog:innen, Therapeut:innen etc.) können aufgrund seiner Komplexität oft nur Bruchstücke unseres Körperbildes begreifen.

Oftmals nehmen wir fälschlicherweise an, eine Person, die wir selbst als besonders hübsch und attraktiv wahrnehmen, müsste dies genauso sehen. Doch das stimmt nicht, denn das Körperbild ist nach außen hin nicht sichtbar. Auch der vermeindlich schönste Mensch der Welt kann durchaus mit sich hadern. Wir sollten also sensibel und vorsichtig mit dem Thema umgehen und keine vorschnellen Schlüsse ziehen.

(3) Es verändert sich oft mehrere Male am Tag. Bestimmt kennst du das: Du schaust nach dem Aufstehen und einer unruhigen Nacht in den Spiegel und verziehst erst einmal das Gesicht. Schon wenige Minuten später – nach Frühstück, Pflege- und Kosmetikroutine – kann sich das komplett geändert haben. Ebenso können Kommentare, Gesten und Blicke von Außenstehenden, sowie Bilder und Botschaften, die wir durch die Medien erhalten innerhalb von Sekunden beeinflussen, wie wir unseren Körper in diesem Moment wahrnehmen – sowohl positiv als auch negativ. Das ist vollkommen normal – niemand nimmt sich selbst immer gleich wahr. Mehr über die Einflussfaktoren unseres Körperbildes erfährst du im nächsten Abschnitt.

Wie entsteht unser Körperbild?

Viele nehmen an, dass unser Körperbild vor allem durch die Medien beeinflusst wird. Das ist aber so nicht richtig, denn tatsächlich spielen viele Faktoren eine Rolle dabei, wie ich mich selbst und andere Menschen wahrnehme. Das liegt daran, dass unsere Psyche vielschichtig und individuell ist. Thomas F. Cash, ein bekannter US-amerikanischer Body Image Forscher, hat dabei vor allem Folgendes herausgestellt.

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Das, was wir über unseren Körper denken und fühlen, entwickelt sich im Laufe unseres Lebens und zwar ab der frühkindlichen Entwicklung. Es wird geprägt durch unsere Persönlichkeit (z.B. wie perfektionistisch ich bin und wie wichtig es mir ist, was andere über mich denken könnten), durch die Gesellschaft und Kultur, von denen wir umgeben sind (z.B. Schönheitsideale), durch zwischenmenschliche Erlebnisse und Erfahrungen (z.B. Kommentare und/oder Vorbilder), sowie (selbst-wahrgenommene) körperliche Besonderheiten und Veränderungen, wie sie ganz natürlich im Laufe des Lebens beispielsweise durch Pubertät und Schwangerschaft entstehen.

Vereinfachte Darstellung von Thomas F. Cashs ‚cognitive-behavioural model of body image


Hinzu kommen Situationen im Hier und Jetzt, die unsere Gedanken zu unserem Aussehen überhaupt erst aktivieren. Das kann beispielsweise ein Blick in den Spiegel sein oder eine Situation, in der du dir deines Körpers besonders bewusst bist (z.B. du merkst, dass eine deiner Hosen nicht mehr passt) oder der Blick oder Kommentar einer anderen Person. Das Erlebte wird von deinem Hirn verarbeitet und produziert dann Gefühle und Gedanken über deinen Körper. Über die Zeit bildet das Zusammenspiel dieser Faktoren ein mehr oder weniger konstantes Bild in deinem Kopf.

Cashs Modell zeigt uns, dass die Medien zwar durch Bilder und Werbebotschaften zu meinem Verständnis eines idealen Körpers beitragen. Doch wie stark sie auf uns einwirken, hängt von vielen anderen Faktoren in unserem Leben ab. Deshalb zeigt die Forschung auch unterm Strich – individuelle Studien mögen davon abweichen – eine verhältnismäßig kleine Wirkungsstärke der Medien auf unser Körperbild.

Was sich in den letzten Jahren trotzdem klar gezeigt hat, ist, dass übermaßig dünne und stark idealisierte Darstellungen von Menschen in der Werbung zu einer sofortigen Unzufriedenheit führen können. Und generell wurde steigender Medienkonsum mit schlechter Laune, kritischem Selbstbild und allgemeiner Unzufriedenheit assoziiert. Das liegt daran, dass sich Menschen in den Medien oftmals von ihrer besten Seite präsentieren. Zu diesem Zweck werden – mittlerweile auch von Privatmenschen – Fotos künstlich bearbeitet und Situationen verschönt. Für viele wächst deshalb der Druck, ein immer strahlendes, glückliches Ich nach Außen zu tragen. Dieser Druck verstärkt psychische Probleme oftmals anstatt zu helfen. Deshalb ist es wichtig, dass wir bei allem, was wir tun, immer die Vielschichtigkeit im Blick haben, von der wir umgeben sind. Weder Gefühle noch Körper sind dazu gemacht, in ein bestimmtes Muster zu passen. Und das ist auch gut so!

Abschließend noch eine wichtige, erfreuliche Botschaft. Unser Körperbild ist nicht in Stein gemeißelt, sondern veränderbar. Das heißt, selbst wenn wir viele Jahre unseres Lebens damit verbracht haben, unseren Körper zu hassen, so können wir immer noch lernen, ein friedliches Verhältnis zu ihm aufzubauen. Es ist nie zu spät!

Auswirkungen eines negativen Körperbildes

Körperbildprobleme betreffen nur Mädchen und Frauen? Falsch! Aus der weltweiten Forschung wissen wir, dass Körperunzufriedenheit weit verbreitet ist. Sie betrifft Menschen unabhängig davon, wie alt sie sind, wo sie herkommen, wie sie aussehen, welchem Geschlecht sie angehören und wie ihre sexuelle Orientierung ist. Unter einem negativen Körperbild versteht man negative Gedanken und Gefühle einer Person gegenüber ihrem Körper. Da das Körperbild einen zentralen Bestandteil unseres Selbstkonzeptes darstellt, kann ein negatives Körperbild mitunter dramatische Auswirkungen auf unsere psychische und unsere körperliche Gesundheit haben. Einige sind hier dargestellt:

In meinen Vorträgen und Veranstaltungen höre ich oft, dass Körperbildprobleme doch hauptsächlich Essstörungen seien. Doch wie die Grafik zeigt, stimmt das so nicht.

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Klinisch registrierte chronische Essstörungen wie Anorexie, Bulimie und Binge Eating (Fresssucht) betreffen „nur“ 1-3% der Bevölkerung. Obwohl das zunächst einmal sehr positiv klingt, muss beachtet werden, dass die Dunkelziffer vermutlich deutlich höher liegt. Das liegt daran, dass sich viele Menschen schämen, mit ihren Symptomen einen Arzt/eine Ärztin aufzusuchen oder auch fehldiagnostiziert werden. Das betrifft vor allen Dingen Jungen und Männer, da Essstörungen hier, trotz wachsenden öffentlichen Bewusstseins, nach wie vor ein wenig diskutiertes Thema sind.

Nicht zu unterschätzen ist auch ein gestörtes Essverhalten, das Studien zufolge etwa 50-75% der Bevölkerung betrifft. Im Unterschied zu chronischen Essstörungen, bei denen das gestörte Essverhalten regelmäßig auftritt und tief verankert ist, treten Verhaltensmuster beim gestörten Essverhalten unregelmäßig und weniger häufig auf. Zeichen für ein gestörtes Essverhalten sind unter anderem:

  • Schuldgefühle und andere negative Emotionen in direktem Bezug zu Essen
  • der bewusste Verzicht auf Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelgruppen, die als „schlecht“ oder „dickmachend“ angesehen werden,
  • das bewusste gelegentliche Verzichten auf Mahlzeiten, um nicht zuzunehmen,
  • das Empfinden von Druck, Sport machen zu müssen, um eine üppige Mahlzeit („Sünde“) auszugleichen
  • usw.

Viele dieser Symptome werden in unserer Gesellschaft als völlig „normal“ wahrgenommen, weil sie so weit verbreitet sind und mitunter sogar als „gesund“ gelten. Tatsächlich sind sie genau deshalb so gefährlich und können schnell den Weg zu einer Essstörung ebnen. Man denke beispielsweise an den Verzicht von Zucker oder Fett, der sogar oft von Ernährungsspezialisten empfohlen wird. Doch was vielleicht im besten Sinne gemeint ist, kann dauerhaft zu Problemen führen. Die Forschung zeigt eindeutig, dass Restriktionen und Verbote dem Körperbild schaden. Auch in Bezug auf Kinder zeigt sich, dass eine Kategorisierung von Nahrungsmitteln als „gut“ und „schlecht“/“böse“ negative Konsequenzen mit sich bringt. Spezialisten im Bereich des intuitiven Essens raten deshalb, auf AUSGEWOGENHEIT und ACHTSAMKEIT beim Essen zu achten und dabei vor allem das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl zu unterstützen, das eine langfristige gesunde Beziehung zu Essen fördert.

In den letzten Jahren haben sich aus Fitness- und Ernährungstrends neue Formen von körperbezogenen psychischen Störungen entwickelt, wie etwa „athletica nervosa“ (die Besessenheit mit Muskelaufbau) und „orthorexia nervosa“ (die Besessenheit davon, vermeindlich „gesund“ bzw. „clean“ zu essen). Kürzlich wurde eine weitere Form beobachtet, die sich ARFID – avoidant restrictive food intake disorder – nennt. Bei dieser Essstörungsform vermeiden oder reduzieren Menschen bewusst Nahrungsmittel(gruppen), beispielsweise weil sie Geruch, Textur oder Geschmack nicht mögen, Angst vor den negativen Konsequenzen dieses Essens haben (z.B. Zucker, Fett) und/oder generell ein sehr niedriges Interesse an Essen haben. Daraus entsteht dann ein einseitiges Verhalten, das mitunter nicht nur Nährstoffmängel, sondern auch vielfältige psychische Probleme mit sich bringen kann.

Diese Entwicklungen zeigen uns noch einmal, dass jedes noch so gesunde Verhalten ungesund werden kann, wenn es exzessiv ausgeführt wird. Gesundheit bedeutet also immer auch ein Stück weit „ausgeglichen“ und so wie es DIR gut tut.

Hilfe kann und sollte jederzeit in Anspruch genommen werden, egal wie tief die negativen Gedanken über den eigenen Körper verankert sind. Bei schweren psychischen Erkrankungen wie Essstörungen oder KDS ist dies aber unabdingbar. Denn sowohl Betroffene als auch Angehörige sollten wissen, dass sie nicht allein sind!

Wege zu einem gesunden (positiven? neutralen?) Körperbild

Bei der Frage, was eigentlich gesund ist, scheiden sich seit Jahrhunderten die Geister. Was bedeutet also ein „gesundes“ Körperbild? Ich bin über die Jahre zu der Erkenntnis gelangt, dass das gesund ist, was du tust (oder auch NICHT tust), wenn du dich fit und aktiv fühlst, Antrieb für schöne Dinge findest und mit dir selbst im Reinen bist. Du musst deinen Körper dazu übrigens nicht zwingend lieben und das ist der Grund dafür.

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In den letzten Jahren hat sich der Begriff „body positivity“ oder kurz „bopo“ zum reinsten Trendwort entwickelt. Doch das, was Forscher:innen rund um Tracy Tylka seit gut 10 Jahren wissenschaftlich als „positives Körperbild“ definieren, hat mit dem, was heute in den Medien oftmals als body positive präsentiert wird, nur sehr wenig zu tun. In der ursprünglichen Definition machten die Forschenden deutlich, dass ein positives Körperbild vor allen Dingen Selbstakzeptanz und Selbstliebe umfasst. Dabei bringen wir unserem Körper Wertschätzung gegenüber für das, was er leistet und für seine Einzigartigkeit, egal, wie er aussieht und wie viel er wiegt. Menschen mit einem positiven Körperbild betrachten Schönheit als vielfältig. Dadurch können sie Informationen rund um das Thema Aussehen so für sich filtern, dass sie ihr positives Körperbild beibehalten und es ihnen gut geht.

Es gibt einige Kritikpunkte an dem, was öffentlich als body positive kommuniziert wird. Da das body positivity movement historisch dem fat acceptance movement entstammte, werden vor allem in den sozialen Medien viele Bilder gepostet, die Menschen mit hohem Körperfettanteil zeigen. Auch wenn die Körperform nicht aussagekräftig über den Gesundheitszustand einer Person ist, werden diese Bilder oftmals als ungesund kritisiert. Kritiker:innen behaupten sogar, body positivity sei in diesem Fall nur eine Ausrede für die eigene Faulheit, etwas für einen schöneren Körper zu tun. Ich lasse diesen Blödsinn an dieser Stelle unkommentiert im Raum stehen, denn es versteht sich wohl von selbst, dass Gesundheit in kein einseitiges Schema passt und dass kein Mensch das Gefühl haben sollte, sich für seinen Körper schämen zu müssen.
Was die Forschung allerdings bestätigt, ist, dass die Inhalte, die unter Hashtags wie #bodypositive oder #bopo gepostet werden, oftmals weder vielfältig noch wirklich body positive sind. Eine Vielzahl an Bildern zeigt beispielsweise übergewichtige, weiße Frauen, wohingegen andere wichtige Gruppen (z.B. Menschen mit Hautkrankheiten, Autoimmunerkrankungen oder Behinderungen) noch immer medial unterrepräsentiert sind. Da generell wenig Kontrolle darüber besteht, was unter welchen Hashtags gepostet wird, finden sich viele Posts, die mit Abnehmen oder Schönheits-OPs in Verbindung stehen. Diese Art Inhalt stimmt natürlich nicht mit dem Gedanken überein, dass wir uns jederzeit so annehmen, wie wir sind.

Auch der gut gemeinte Appell, sich selbst zu lieben, bringt nicht nur Zuspruch. Stattdessen übt er bei vielen Menschen zusätzlichen Druck aus. Das ist auch kein Wunder, denn wenn man sich jahrelang gehasst hat, ist das Ziel, sich zu lieben, unrealistisch.

Vielen hilft es deshalb, dem Thema Aussehen grundsätzlich keine große Bedeutung mehr beizumessen und sich stattdessen auf andere Themen in ihrem Leben zu konzentrieren (z.B. Was macht mich glücklich?). Das Ziel dieses Ansatzes ist der Aufbau eines so genannten neutralen Körperbildes. Das heißt übersetzt, ich hasse meinen Körper nicht mehr, aber ich liebe ihn auch nicht. Ich führe also eine neutrale, friedvolle Beziehung zu ihm. Für viele Menschen, die ihren Körper viele Jahre ihres Lebens lang kritisch und negativ betrachtet haben, ist genau dies ein gesunder Schritt in die richtige Richtung. Der Aufbau eines neutralen Körperbildes ist auch die Grundlage meines Ansatzes, über den du hier mehr erfahren kannst.